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 Editorial Kulturbeizenführer

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Einst standen Kulturbeizen als Gegenentwürfe zu den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen. Wunderbar unangepasst, bunt zusammengewürfelt und genossenschaftlich organisiert, gegründet zwecks Erprobung eines Lebens ohne Chef. Heute ist die Genossenschaftsform längst keine Pflicht mehr, geblieben aber sind die rauen Mengen an Herzblut und Idealismus, die tagtäglich in den Betrieb der kulinarisch-kulturellen Häuser fliessen. Ganz gleich, ob es sich um die Mutter aller selbstverwalteten Beizen (Kreuz Solothurn) oder das jüngste hier vertretene Mitglied dieser einzigartigen Spezies (Wirtschaft zur Heimat Ehrendingen) handelt, überall sind passionierte Macherinnen und Macher am Werk, die nicht in erster Linie fürs Portemonnaie, sondern aus Freude an der Sache am Karren ziehen, und beherzt für das Zusammengehen von Essen und Kultur einstehen.

 

Sechs Beizen aus dem Raum Bern, Solothurn und Aargau haben wir für dieses Buch besucht, mit den Menschen hinter den Töpfen und Bühnen geplaudert, sinniert, gelacht und gegessen, und jedes Mal von neuem gestaunt ob all der Kreativität, Verve und Überzeugung. Jede Beiz hat ihre Spezialitäten und ureigenen Charakterzüge. Vereint sind sie im Bestreben, ihren Gästen Woche für Woche Menus und Programme abseits ausgetretener Pfade zu bieten. Ob sie dies als Genossenschaft, Verein oder GmbH tun, spielt am Ende keine Rolle. Solange die Leidenschaft in jedem Bissen, Ton und Wort zu spüren ist, werden sie ihren Zauber immer wieder neu entfalten. Davon sind wir nach dem Verfassen der sechs Beizenportraits mehr denn je überzeugt.

 

Einleitung zum Kulturbeizenführer des Migros Kulturprozent, Herbst 2015.