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Sozial- und Sonderpädagogik von Fall zu Fall gut abgestimmt

Passend zum diesjährigen Jahresziel-Fokus auf die Schnittstellen im Familien Support haben wir Elsbeth Straubhaar (Sozialpädagogin) und Etienne Marti (Oberstufenlehrer) zu einem themenbezogenen Austausch mit Christa Quick geladen und nach den Voraussetzungen für eine gelingende Zusammenarbeit zwischen Sozial- und Sonderpädagogik gefragt. Eine Aufzeichnung.

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Austausch auf Augenhöhe und gegenseitiger Respekt sind Stichworte, die während des Gesprächs immer wieder fallen. Ebenso klare, gemeinsam definierte Abläufe und Kommunikationswege, überhaupt Klarheit in der Kommunikation, zudem Bewusstsein für die Rollenunterschiedlichkeit und Raum für gegenseitige Fragen. Komme all das zusammen, so Elsbeth Straubhaar und Etienne Marti, sei der Weg zum gegenseitigen Vertrauen und mit ihm zu einer fruchtbaren und guten Zusammenarbeit geebnet. «Das bedingt jedoch, dass man sich miteinander auseinandersetzt», sind die beiden überzeugt. «Zentral ist ein regelmässiger Austausch. Auch dann, wenn alles gut läuft. So weiss man, mit wem man es zu tun hat, wenn es einmal hart auf hart geht und rasche Entscheide gefragt sind.» Müsse man dann noch am grundsätzlichen Umgang arbeiten oder gebe es Unsicherheiten in den Zuständigkeiten und in der gegenseitigen Rückendeckung, stehe man auf verlorenem Posten. «Kinder spüren jedes noch so kleine Fragezeichen», weiss Elsbeth Straubhaar aus Erfahrung. «Klarheit ist deshalb unabdingbar, gegenüber den Kindern und Jugendlichen genauso wie untereinander.»

Eine Meinung, die Etienne Marti teilt, und deshalb dafür plädiert, mit dem jeweiligen Gegenüber sowohl die Kommunikationswege als auch die Verantwortungsbereiche so früh wie möglich so klar wie möglich zu definieren. «Damit schafft man sich eine Vertrauensgrundlage und gewinnt an Verständnis und Bewusstsein für die unterschiedlichen Rollen.» Das Kindswohl steht hier wie da an erster Stelle, die Rahmenbedingungen jedoch könnten unterschiedlicher nicht sein. Das eine ist Schule, das andere Freizeit. Offenheit gegenüber dem jeweils anderen Setting erachten darum Elsbeth Straubhaar und Etienne Marti gleichermassen als grundlegend. «Man muss nicht jeden Entscheid des Gegenübers sofort nachvollziehen können. Manchmal reicht es schon, den Weg dazu und die Gründe dafür zu kennen. Wichtig ist, sich gegenseitig eigene Wege und damit den eigenen Garten zuzugestehen. Gleichzeitig gilt es, nicht jede Frage zum persönlichen Arbeitsbereich als Misstrauensvotum zu interpretieren.» Vielmehr sei Raum für Fragen für ein gutes Klima von grosser Bedeutung. «In aller Regel geht es dabei nicht um Einmischung und Vorwürfe, sondern um Verständnis und Lösungen. Etwas also, das im Sinne aller Beteiligten ist», so die beidseitige Meinung. Elsbeth Straubhaar ist es überdies ein Anliegen, auch bei gelegentlichen Auseinandersetzungen kühlen Kopf zu bewahren. «Momente, in denen einem der Kragen platzt, gehören dazu und müssen unbedingt Platz haben. Wesentlich ist, dass in einem solchen Fall alle Involvierten wissen: Die aktuelle Situation hat nichts mit der Grundhaltung zu tun, sondern ist lediglich eine Momentaufnahme.» Die Basis dazu liege wiederum in gegenseitigem Vertrauen und Respekt.

Zeit also, nach dem Status quo zu fragen. Mindestens einen gemeinsamen Fall gab es im laufenden Jahr und sowohl Elsbeth Straubhaar als auch Etienne Marti bewerten die entsprechende Zusammenarbeit als überaus positiv. Beide attestieren dem Gegenüber grosse Bereitschaft, bei Bedarf rasch und unkompliziert Hand und ein offenes Ohr zu bieten, und loben die spürbare Unterstützung. «Elsbeths Backup war immer da», sagt Etienne Marti, während die Sozialpädagogin herausstreicht, «dass ich stets darauf zählen konnte: Wenn es anders geht, probiert ihr es auch anders.» Man habe sich zu jedem Zeitpunkt hundertprozentig aufeinander verlassen können. Dem Thema Schnittstellen Gewicht zu geben, empfinden darum beide als richtig und wichtig. «Der Familien Support Bern West ist diesbezüglich auf sehr gutem Wege. Sozial- und Sonderpädagogik sind heute gegenseitig willkommen. Durch den diesjährigen Fokus können wir diese Grundhaltung gemeinsam weiterentwickeln und festigen, wovon alle profitieren werden.» Denn, so das Fazit von Elsbeth Straubhaar und Etienne Marti: «Am Ende dient das Miteinander immer der Sache. Gelingt es uns, die unterschiedlichen Rollen, Aufträge und Herangehensweisen sowie die jeweiligen Stärken zu einem grossen Ganzen zu verbinden, können wir nur gewinnen.» Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

 

Newsletterbeitrag für den Familien Support Bern West, Dezember 2017.

www.familien-support.ch