© 2017 eckraum // karin hänzi berger

«Ich trete meine Vorträge immer in Krawatte und Bauoverall an.»

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«Ingenieure und Architekten verbindet in der Regel eine Hassliebe. In meinem Fall gilt das nicht. Je extravaganter die Architekten planen, desto grösser ist die Chance, dass bei der Umsetzung unsere ausgeklügelten Hebegeräte benötigt werden. Sie sind immer dann gefragt, wenn Krane nicht mehr weiterkommen, wenn es also sehr schwere Lasten zu heben, senken oder rotieren gibt. Ich persönlich bin deshalb ein grosser Fan der Baukünstler und ihrer kühnen Ideen.

 

Erstmals zum Einsatz kam das von VSL entwickelte hydraulische System 1970 beim Bau des Münchner Olympiastadions. Seither hat es zahlreiche Verfeinerungen und Weiterentwicklungen durchlaufen und verschiedensten spektakulären Bauwerken zu ihrer Krönung verholfen. Den Mast auf dem Dubaier Burj Kalifa, aktuell das welthöchste Gebäude, haben beispielsweise wir in diese luftige Höhe gehoben, ebenso die 172 Meter über dem Boden gelegene Fussgängerbrücke zwischen den Petronas Towers in Kuala Lumpur, die später sogar zu Filmehren gekommen ist. Beim Bau von Fussballstadien sind wir ebenfalls häufig zu Gast. Prägend indes ist die VLS-Hebetechnik nicht nur in architektonischer Hinsicht. Auch auf den Verlauf meiner Karriere als Bauingenieur hatte sie grossen Einfluss. Zur Firma gestossen bin ich 1982, ein Jahr nach Abschluss des Technikums in Burgdorf und davon ausgehend, dass es sich um einen Zwischenhalt während meiner Junggesellenjahre handelt. Inzwischen bin ich seit 35 Jahren dabei, habe 17 davon in unserer Niederlassung in Singapur verbracht und zwischenzeitlich als Abteilungsleiter Hebetechnik geamtet. Es gab schlicht nie einen Grund, den Arbeitgeber zu wechseln. Zu faszinierend und visionär sind Technik und Projekte, mit denen ich hier tagtäglich zu tun habe, zu aufregend die Abläufe. Solche Hebearbeiten sind meist lange im Voraus terminiert. Die Bauherren laden Gäste und oft auch Medien ein. Da liegen Verschiebungen nicht drin. Es muss alles auf diesen einen Tag hin klappen, Plan B gibt es keinen. Ein Nervenkitzel, der einem liegen muss. Ist man jedoch dafür gemacht, sorgt er dafür, dass der Job auch nach fast vier Jahrzehnten nichts von seiner Faszination einbüsst. Genau das versuche ich den Schülerinnen und Schülern in meinen TecDays-Modulen zu vermitteln. Ingenieurstätigkeit muss nicht zwingend mit trockener Materie und Zahlenreihe an Zahlenreihe zu tun haben, ganz im Gegenteil. Ich trete meine Vorträge darum immer in Krawatte und Bauoverall an. Stets an meiner Seite ist unser kleinstes Hebegerät, mit dem sich 10 Tonnen Last bewegen lassen, was in etwa zwei vollbeladenen Trolleybussen entspricht. Unser grösstes schafft 580 Tonnen. Nach einem kurzen Einblick in meinen Berufsalltag simulieren wir eine Last und lassen die Hydraulik arbeiten. Beeindruckend ist dabei neben der Kraft vor allem die Langsamkeit. 10 Meter pro Stunde bewegt sich die Ladung. Das ist, wie wenn wir in einer Stunde von der einen Klassenzimmerwand zur anderen gehen würden.»

 

Daniel Junker ist Ingenieur und arbeitet als Manager in der Abteilung Heavy Lifting der Firma VSL (Switzerland) Ltd. An den TecDays der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) war er 2009 am Gymnasium seiner Töchter erstmals und seither aus voller Überzeugung immer wieder dabei.

 

Portrait für den Geschäftsbericht 2016 der Akademien der Wissenschaften Schweiz, Juni 2017.

www.akademien-schweiz.ch