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Das KA von aussen: Prof. Dr. Martin Wild-Näf

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«Dass der Grat zwischen beschäftigt und arbeitslos zuweilen sehr schmal ist, weiss ich aus eigener Erfahrung. Arbeitslosigkeit ist eine gesellschaftliche Realität, die uns alle treffen kann und liegt in den unterschiedlichsten Umständen begründet. Nicht immer haben sie mit dem Individuum zu tun. Deshalb sind Institutionen wie das Kompetenzzentrum Arbeit so wichtig. Anlaufstellen, die Massnahmen erarbeiten, Lösungen aufzeigen, einem den Boden wieder unter die Füsse bringen und die Sache als individuelles und gesellschaftliches Problem gleichermassen angehen. Das KA zeichnen dabei drei Punkte ganz besonders aus. Erstens die exzellente Vernetzung mit privaten und öffentlichen Betrieben, die zu einer hohen Vermittlungsquote führt. Zweitens die ebenso gute Vernetzung mit anderen sozialen Institutionen, die Betroffenen Zugang zu vielen weiteren Beratungs- und Hilfsangeboten schafft. Drittens die hohe Innovationskraft respektive die innovativen Impulse, die mit Dienstleistungen wie flex.job, jobtimal.ch oder dem gemeinsam mit uns lancierten Gesundheitsförderungsprojekt aus dem KA kommen. Auch wenn nicht alle erfolgreich sind, allein der Wille, auf gesellschaftliche Herausforderungen und Bedürfnisse mit immer neuen Angeboten zu reagieren, ist grossartig. An brennenden Themen wird es im Bereich Arbeitsintegration auch künftig nicht fehlen. In den kommenden Jahren dürften es vor allem der immer heftigere Verdrängungskampf im Niedriglohnbereich, über 50-Jährige und die Migrationspolitik sein, welche die Debatte prägen. Hier sind gemeinsame Perspektiven und Initiativen gefragt, allen voran bei der beruflichen Integration. Sie gilt als zentraler Interventionsbereich der Sozialhilfe. Gelingt sie nicht, wird es in der Regel auch mit der sozialen Integration schwierig. Um so wertvoller empfinde ich die Zusammenarbeit unserer Fachhochschule mit dem KA. Hier wird ganz konkret und langfristig zusammengearbeitet, mit tatsächlichem Interesse am Tun und an der Meinung des jeweils Anderen. In ebendiesem Austausch, in dessen Rahmen wir gegenseitig voneinander lernen und uns gemeinsam weiterentwickeln können, liegt der Schlüssel zum Erfolg. Dem KA wünsche ich deshalb mindestens zehn weitere Jahre und weiterhin die nötige politische Unterstützung.»

 

Martin Wild leitet an der Berner Fachhochschule die Abteilung Weiterbildung, Dienstleistung und Forschung des Fachbereichs Soziale Arbeit. Er ist in dieser Funktion Jürg Fassbinds Gegenüber in einer Partnerschaft, die Theorie und Praxis Hand in Hand gehen lässt. Aus der bisherigen Zusammenarbeit gingen unter anderem ein Projekt zur Gesundheitsförderung, verschiedene Wirkungsanalysen und Forschungsstudien sowie die «Nationale Tagung für Gesundheit und Armut» hervor.

Beitrag Jubiläumszeitschrift Kompetenzzentrum Arbeit KA Stadt Bern, Gesamtredaktionsmandat, Herbst 2014.