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Mit Roger Moore am Bügellift

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Wer der Prominenz beim Ferienmachen zuschauen will, soll den Einkauf anderen überlassen und stattdessen raus auf die Piste. Das sagt Martha Reichenbach, die seit 15 Jahren in der Gstaader Migros-Filiale arbeitet.

 

Der Kunde ist König, egal, ob prominent oder nicht. Nach diesem Motto handhabt Martha Reichenbach ihren Arbeitsalltag an Kasse und Kundendienst der Gstaader Migros-Filiale. Doch selbst wenn sie den grossen Namen eine Sonderbehandlung zuteil kommen lassen möchte, Gelegenheit dazu bietet sich kaum. «Die meisten Chalet-Besitzer verfügen über eine Küchenbrigade und anderweitiges Personal. Die erledigen ihren Einkauf nicht selbst. Wir merken in der Regel höchstens an Trüffel- und anderweitigen Spezialbestellungen, dass im Auftrag der Prominenz eingekauft wird. Ansonsten unterscheiden wir uns nicht von anderen Migros-Filialen.» Das Tamtam werde, wenn überhaupt, anderswo gemacht. «In den Clubs und Bars, bei den Luxuslabels, allenfalls noch in den Sportgeschäften. Die allermeisten Prominenten aber kommen nach Gstaad, um ihre Ruhe zu haben und verhalten sich entsprechend.»

 

Martha Reichenbach spricht aus Erfahrung. Sie gehörte vor 15 Jahren zum Eröffnungsteam der Gstaader Migros und hat der Filiale seither die Treue gehalten. «Dass wieder einmal jemand von Rang und Namen im Dorf ist, erfahre ich meist erst aus der Zeitung oder von Freunden aus dem Unterland», sagt die 61-Jährige und lacht. «Uns Einheimische interessiert dieser ganze Kult nicht.» Lieber kümmert sie sich um die verschiedenen Anliegen, Anrufe und Fragen der Kundschaft, Arbeitskolleginnen und Vorgesetzten. «Am Kundendienst sind wir in alle Richtungen Anlaufstelle und Drehscheibe. Da in unserer Filiale der Fachmarkt Melectronics im Supermarkt integriert ist, kommen zudem regelmässig Reparaturanfragen und Ersatzteilbestellungen dazu.» Am besten gefallen ihr dabei der stete Kundenkontakt und die Möglichkeit, «in jeder einzelnen Sache mein Möglichstes zu geben, entweder in Eigenregie oder indem ich die jeweilige Ansprech- und Auskunftsperson dazuhole.»

 

Ganz um Promis herum kommt aber auch Martha Reichenbach nicht. Dafür fährt sie zu gerne Ski. «Auf das Alter hin werde ich der Sicht wegen immer mehr zur Schönwetterfahrerin, von einer regelrechten Sucht kann man aber nach wie vor sprechen.» Eine Liebe, die ihr in die Wiege gelegt worden ist. «Wir hatten damals im abgelegenen Turbach nicht viele andere Spielmöglichkeiten und sind im Winter sogar mit den Skiern zur Schule gefahren.» Auch mit ihren eigenen vier Mädchen stand Martha Reichenbach sehr früh und sehr oft auf der Piste. «Meine Jüngste wollte irgendwann nicht mehr zuhause bleiben, wenn ich mit den anderen drei loszog, und fuhr deshalb schon mit 26 Monaten alleine Ski.» In einem dieser gemeinsamen Pistenmomente muss es gewesen sein, dass die Reichenbachs zuerst an den versammelten Königsfamilien Spaniens und Griechenlands vorbeikurvten – und später zwei Bügel vor der Mutter Roger Moore den Hang hoch fuhr. Wenn schon, denn schon.

Portrait für das aareMagazin, Personalmagazin der Migros Aare, Ausgabe März 2015